Einrichtung einer "Gentechnik-freien Anbauregion Kreis Reutlingen"
» Kreisbauernverband Reutlingen
Im Jahr 2003 hat die EU die Rahmenrichtlinien zum Umgang mit gentechnisch veränderten Produkten erlassen, die den Rahmen für die Ausgestaltung eines entsprechenden Gesetzes auf Ebene der Nationalstaaten festlegen. In Deutschland ist am 18. April 2004 die Kennzeichnungsverordnung für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel in Kraft getreten. Wie der Anbau von „Gentechnisch Veränderten Organismen“ (GVO) in Deutschland aussehen soll, insbesondere, wer für mögliche Verunreinigungen auf den Äckern und in der Ernte von LandwirtInnen aufkommt, die sich verpflichtet haben, GVO-frei zu wirtschaften, soll in einem weiteren Gesetz geregelt werden. Das Gesetz ist im Moment noch im Vermittlungsausschuss und wird frühestens im Juni in Kraft treten können.
Im Landkreis Reutlingen haben sich die Landwirtinnen und Landwirte schon früh mit dem Thema auseinandergesetzt. In einer gemeinsamen Informationsveranstaltung des Kreisbau-ernverbandes, des Amts für Landwirtschaft und von REGIONEN AKTIV im Februar 2004 wurden die Vor- und Nachteile der sogenannten grünen Gentechnik öffentlich diskutiert und in verschiedenen Vorstandstreffen und Ortsobmännertagungen haben sich die Mitglieder des Kreisbauernverbandes zu dem Thema eine Meinung gebildet.
Sowohl die konventionell als auch die ökologisch wirtschaftenden Betriebe im Landkreis Reutlingen sehen im gentechnikfreien Anbau große Chancen für die Landwirtschaft und die Region. So soll das Argument des gentechnikfreien Anbaus als Werbeargument für Lebensmittel und andere Dienstleistungen z.B. im touristischen Bereich der Region Nutzen bringen. Aus diesem Grunde hat sich der Kreisbauernverband entschlossen, eine „Gentechnik-freie Anbauregion Kreis Reutlingen“ ins Leben zu rufen. Voraussetzung für eine solche Region ist, dass sich alle Landwirtinnen und Landwirte der Region verpflichten, keine gentechnisch veränderten Pflanzen anzubauen.
Das Vorhaben wird ideell und finanziell von den beiden Getreideerzeugergemeinschaften Albkorn (30 Landwirte, 6 Bäckereien und eine Mühle) und Römersteiner Dinkel (18 Landwirte, eine Mühle, eine Bäckerei und ein Nudelhersteller) unterstützt, die sich durch ihre Mitgliedschaft bei HQZ (Herkunfts- und Qualitätszeichen Baden-Württemberg) verpflichten, kei-ne gentechnisch veränderten Pflanzen anzubauen. Die Universität Hohenheim ist an dem Vorhaben sehr interessiert. Das betriebswirtschaftliche Institut wird sich im Rahmen von studentischen Projektarbeiten an den Arbeiten beteiligen und besonders die Frage der gentechnikfreien Futtermittel betriebswirtschaftlich beleuchten.
Zur Koordination der gentechnikfreien Region sollen folgende Maßnahmen gefördert werden:
- Aktivierung von Landwirtinnen und Landwirten durch Informationsveranstaltungen, Ge-meindeblätter und Mailingaktionen
- Erarbeiten von Materialien wie einem Rundbrief, einer Internetseite, Musterverträgen zwischen den Landwirten und einer Datenbank
- Beratung und Betreuung der Landwirte durch eine Telefonhotline
- Öffentlichkeitsarbeit (Auftaktveranstaltung und begleitende Pressearbeit)
- Dokumentation, Weiterentwicklung und Vernetzung (Austausch mit anderen gentechnik-freien Regionen wie z.B. Bodensee oder Oberrhein, Aufbau eines organisatorischen Rahmens zur Fortführung des Projektes nach dem Förderende).
Aus Sicht von REGIONEN AKTIV ist der Antrag förderwürdig, da im regionalen Entwicklungskonzept eine gentechnikfreie Landwirtschaft gefordert wird – aber auch, weil viele Verbraucherinnen und Verbraucher Gentechnik in den Lebensmitteln ablehnen.
Die Maßnahmen werden von drei erfahrenen Agraringenieuren zu einem Tagessatz von 350 EUR in enger Zusammenarbeit mit dem Kreisbauernverband und der Pflanzenbauberatung des Amts für Landwirtschaft durchgeführt.
Kontakt:
Gebhard Aierstock, Kreisbauernverband Reutlingen
Im Kirchtal 1
72525 Münsingen
Tel.: 07373/1239
Email: info@gebhard-aierstock.de
Internet: www.gentechnikfreie-anbauregion-rt.de
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